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Social Media: Ein Blogpost über Schönheit & Perfektion in unserer digitalen Welt

Meine liebe Fotokollegin Sylvana aka Madamilein Photography und ich sind beide als Fotografinnen unterwegs und haben oftmals mit Themen wie Schönheit, Oberflächlichkeit und Perfektion zu tun. Die Perfektion, die uns nicht nur suggeriert, sondern auch zwangsweise als weibliches Geschlecht abverlangt wird. Wir erleben täglich, wie sehr die äußere Hülle im Vordergrund steht und möchten euch im folgenden Blogpost mehr über unsere Sicht der Dinge erzählen und euch Mut machen euch so zu akzeptieren wie ihr seid!

Machen wir uns nichts vor: Wir sitzen daheim, nach einem anstrengenden, weniger aufregenden Tag an dem wir vielleicht die Arbeit im Büro, den notwendigen Unikram oder auch nur den Haushalt erledigen mussten und scrollen ein wenig bei Instagram und Co. Wir sehen die trainierte Mandy vor dem Eiffelturm, Cindy sitzt mit perfekten Beachwaves am Strand von Miami, Natalie und ihre fünf Freundinnen kreischen im Cabrio in ihren Instastories  „how perfect life is“ und Jonathan (ja – bei Männern funktioniert es ähnlich) hält mit seinem trainierten Bizeps den neuen Shake von „Du bisset, Boy“ im Fitnesstudio, um 6 Uhr morgens! Wir vergleichen uns, finden unsere Leben weniger interessant. Wir fühlen uns hässlich, nutzlos und öde. Dass Mandy aber seit vorgestern Single ist, weil ihr Freund sie dreimal betrogen hat, Cindy gerade die Absage ihres Traumstudiums erhalten hat, Mandy und ihre Freundinnen 12 Stories machen mussten, bis alle sich ansehnlich fanden und Jonathan eine schwierige Knie-OP bevorsteht, sehen wir nicht. Warum auch? Zum Beispiel, weil es keiner sehen möchte, weil es keiner zeigen will.

Social Media beurteilt, verlangt und konzentriert sich oftmals auf das Erste, was wir sehen an einem Menschen: Das Aussehen. Es ist okay, dass es notwendigerweise so läuft – auch in unserem Business- dass dies nun einmal „so ist und bleibt“. Nicht okay ist darüber hinwegzusehen, sich nicht bewusst zu machen, dass es weitaus mehr gibt, als dargestellte Perfektion, Spaß und Spannung, in jedermann Leben.

Selbst wir erwischen uns dabei zu denken: Wow – so langweilig und unschön wie ich ist keiner. Der Vorteil unserer Generation ist dann jedoch, dass wir das bewusst reflektieren, weil wir uns an andere Zeiten, ohne diesen ganzen Firlefanz erinnern. Als ich 16 war, war es okay einen Lipgloss aus der Wendy zu besitzen und zu sagen: Ich habe viel Make-Up. Augenbrauen malen war keine Wissenschaft und Lippenstifte kosteten nicht 30 Euro. Und trotzdem waren wir schöne Kinder! Weil wir echt sein durften, uns der Begriff „Follower“ unbekannt war und schmale Lippen kein Makel waren. Wir haben gelernt auf andere Dinge Wert zu legen, wie Authentizität, Humor, Loyalität, Freundschaft, Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit. Das sind Eigenschaften, die euch schön und besonders machen, die euch wertvoll werden lassen für eure Mitmenschen. Man kann Schönheit nicht im Drogeriemarkt oder beim Chirurgen kaufen. Ganz sicher kann man nach Perfektion streben, indem man die Nase korrigiert oder Haar anklebt. Aber das macht euch für die Menschen, die ihr liebt oder mögt nicht bedeutsamer. Bedeutsam wird euch die Liebe zu euch selber machen. Denn wer fähig ist, sich selber zu lieben, ist auch fähig diese Liebe, diesen Respekt und die Akzeptanz anderen zu schenken.

Ich erinnere mich dann gerne an meine Eltern, welche weder Seflies kannten, noch Filter oder gutes Licht. Bilder, die in ihren Fotoalben kleben zeigen Spaß, Unperfektion, Glück und Natürlichkeit. Ich schau mir diese Bilder an und stelle mir ihr Leben vor, was auch Ecken und Kanten hatte, genau wie meine Eltern, wie jeder Mensch. Nur, dass man eben ihren Bildern auch schlechte Zeiten ansehen kann. Das ist heute anders. Nicht die Leben haben sich gewandelt, sondern die Präsenz dieser Leben.

Wir haben als Fotografin wirklich wunderbare, schlanke, vermeintlich perfekte Mädchen vor unserer Kamera. Und jede von ihnen, wirklich jede, sitzt vor uns und findet mindestens fünf Dinge an sich nicht schön. Sie sehen die unbearbeiteten Bilder und zählen erst einmal alle fünf Dinge auf, die sie an sich unmöglich finden, die uns nicht mal auffallen würden. Und jedes mal denken wir uns: Warum bist du nicht dankbar für das, was du hast, für die Dinge, die an dir mehr als gelungen sind. Warum konzentrierst du dich auf das, was fehlt? Es ist völlig in Ordnung, seine Stärken und Schwächen zu kennen. Aber auch das ist nur eine subjektive Sicht auf sich selber, oder die Meinung der Mitmenschen, die auch nur aufgrund deren Unsicherheiten entsteht. Kein anderer sieht diese Ecken und Kanten, und wenn doch, vielleicht mag er gerade diese kleinen Dinge an euch, die euch zu einem einzigartigen Individuum machen!

„Du bist großartig“ Hast du das mal deinen Spiegelbild gesagt? Mit all deinen Schwächen, mit all deinen Stärken. Du siehst toll aus mit deinen kurzen Beinen, mit deinen kleinen Brüsten, mit deiner schiefen Nase, deinem dünnen Haar. Jeder Mensch ist einzigartig und perfekt, nicht nur aufgrund seines Aussehens, sondern vielmehr wegen seinen inneren Werten, seinen Erfahrungen. Es ist unnötig sich mit anderen zu vergleichen. Alles, was dich ausmacht ist absolut okay und muss gar nicht anders sein. Für dir einmal vor Augen was du an dir liebst, was dich ausmacht, was du schon alles, tolles gemacht hast, welche Erfolge du schon hattest (und damit meinen wir nicht immer einen tollen Schulabschluss, sondern zum Beispiel Erfolg durch echte Freundschaften).

Wenn ihr alt und grau seid, dann wird sich keiner mehr an euer Segelohr erinnern, an die zu groß geratenen Eckzähne oder das aus eurer Sicht zu dünn geratene Haar. Dann wird man sich erinnern, wie viel ihr gelacht, getanzt und mitgemacht habt. Wie sehr ihr Freund, Freundin, Partner, Mutter oder Vater wart. Die Hülle wird vergehen, euer Herz wird bleiben!

anna

1 Comment

  1. Antworten

    Patricia

    September 7, 2017

    Hallo liebe Anna & Sylvana,
    vielen Dank für den tollen Artikel! Schön, dass ihr Euch dem Thema gewidmet habt.

    Besonders schmunzeln musste ich bei:
    „Als ich 16 war, war es okay einen Lipgloss aus der Wendy zu besitzen und zu sagen: Ich habe viel Make-Up. Augenbrauen malen war keine Wissenschaft und Lippenstifte kosteten nicht 30 Euro.“

    Ich freu mich über weitere Beiträge.
    Lasst es Euch gut gehen!

    Viele Grüße
    Patricia

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